1Unsere Geräte im Überblick
Alle Innenmessschrauben im Haus arbeiten nach demselben Prinzip: ein selbstzentrierender Messkopf mit drei Hartmetall-Messbacken misst den Bohrungsdurchmesser direkt. Der Ablauf ist für jedes Gerät gleich — es unterscheiden sich nur Messbereich und zugehöriger Einstellring.
12 – 20 mm
2 Messschrauben · 1 Einstellring (16 mm)
Fehlergrenze 0,005 – 0,006 mm
20 – 50 mm
4 Messschrauben · 2 Einstellringe (25 / 40 mm)
Fehlergrenze 0,006 mm
50 – 63 mm
1 Messschraube · 1 Einstellring · Verlängerung
Fehlergrenze 0,007 mm
Welches Gerät für welche Bohrung — und mit welchem Ring nullstellen?
| Messbereich | Satz / Gerät | Einstellring | Fehlergrenze | Hinweis für die Praxis |
|---|---|---|---|---|
| 12 – 16 mm | Satz 12–20 | 16 mm (Bereichsende) | 0,005 mm | Kleiner Kopf, kurze Backen — besonders empfindlich gegen Verkanten |
| 16 – 20 mm | Satz 12–20 | 16 mm (Bereichsanfang) | 0,006 mm | Ring liegt am unteren Bereichsende — Nullpunkt trotzdem gültig |
| 20 – 25 mm | Satz 20–50 | 25 mm (Bereichsende) | 0,006 mm | Vier Köpfe teilen sich zwei Ringe: jeder Ring bedient ein Gerät am oberen und eines am unteren Bereichsende |
| 25 – 30 mm | Satz 20–50 | 25 mm (Bereichsanfang) | 0,006 mm | |
| 30 – 40 mm | Satz 20–50 | 40 mm (Bereichsende) | 0,006 mm | |
| 40 – 50 mm | Satz 20–50 | 40 mm (Bereichsanfang) | 0,006 mm | |
| 50 – 63 mm | Einzelgerät | mitgelieferter Ring | 0,007 mm | Messtiefe 117 mm, mit Verlängerung 267 mm |
Aufteilung der Teilbereiche nach Satzumfang. Bitte einmalig am Etui gegenprüfen und die Zeilen an die tatsächliche Beschriftung der Geräte anpassen.
Die Fehlergrenzen liegen zwischen 5 und 7 µm — das ist rund ein einziger Teilstrich der Messtrommel. Jeder Bedien- oder Temperaturfehler frisst diese Reserve sofort auf. Deshalb gilt für jedes Gerät: temperieren, nullstellen, Ratsche benutzen.
2Aufbau und Bedienteile
Vor der ersten Messung: Bauteile benennen können. Ohne das funktioniert weder das Nullstellen noch das Ablesen. Der Aufbau ist bei allen Baugrößen identisch.
| Bauteil | Funktion |
|---|---|
| 1 Messkopf mit 3 Backen | Hartmetall-Messflächen im Winkel von 120°; sie fahren gleichmäßig radial aus. |
| 2 Schaft | Bestimmt die erreichbare Messtiefe. |
| 3 Skalenhülse | Grobwert in mm. Wird beim Justieren mit dem Stiftschlüssel verdreht. |
| 4 Messtrommel | Feinwert: 50 Teilstriche, ein Strich = 0,005 mm. Bezifferung in 1/100 mm. |
| 5 Ratsche | Begrenzt die Messkraft. Sichert die Wiederholgenauigkeit — immer benutzen. |
| 6 Innenkonus | Wandelt die Spindeldrehung in die radiale Bewegung der drei Backen um. |
| Einstellring | Kalibriernormal mit bekanntem Nennmaß. Einzige Referenz für den Nullpunkt. |
3Messprinzip verstehen
Warum drei Backen? Weil die Messung damit vom Fingerspitzengefühl des Bedieners unabhängig wird.
Drei Backen erfassen Dreikant-Unrundheit (typisch aus Rundschleifen oder Dreibacken-Spannfutter). Ein Zweipunkt-Gerät misst bei einem solchen Gleichdick über jeden Durchmesser denselben Wert und meldet die Bohrung fälschlich als rund.
Umgekehrt gilt: gerade Unrundheiten (Oval, Vierkant) erfasst der Dreipunktkopf schlecht. Bei Verdacht auf Ovalität zusätzlich mit einem Zweipunkt-Gerät über mehrere Winkel messen.
4Teil A — Einführung & Vorbereitung vor jeder Schicht
Fünf Minuten Vorbereitung entscheiden darüber, ob die 5–7 µm Fehlergrenze überhaupt erreichbar sind.
-
Richtiges Gerät wählen
Nach Tabelle in Abschnitt 1. Das Nennmaß der Bohrung soll möglichst in der Mitte des Messbereichs liegen — nicht am äußersten Rand. -
Temperatur angleichen
Gerät, Einstellring und Werkstück mindestens 20 Minuten am selben Ort ablegen. Bezugstemperatur ist 20 °C.Stahl dehnt sich um rund 11 µm je Meter und Kelvin. Bei Ø 60 mm und 5 K Unterschied sind das ~3 µm — die halbe Fehlergrenze, allein durch warme Hände oder ein frisch bearbeitetes Teil. -
Sichtprüfung
Messbacken, Konus und Einstellring auf Schlagstellen, Riefen und Korrosion prüfen. Beschädigte Hartmetallflächen → Gerät sperren. -
Reinigen
Messbacken und Einstellring mit fusselfreiem Tuch abwischen. Bohrung des Werkstücks von Spänen, Grat und Kühlschmierstoff befreien.Ein Span von 0,02 mm ist viermal so groß wie ein Teilstrich. -
Gangprüfung
Trommel über den Messbereich durchdrehen: gleichmäßig leichtgängig, kein Haken, kein Spiel. Ratsche muss sauber durchrutschen und klicken. -
Gerät richtig halten
Am Schaftende bzw. an der Isolierung anfassen — nicht mit der Handfläche um den Messkopf greifen.
5Teil A2 — Nullstellen mit dem Einstellring Pflicht vor dem Messen
Eine Innenmessschraube hat keinen mechanischen Anschlag wie eine Bügelmessschraube. Ihr Nullpunkt kommt ausschließlich aus dem Einstellring. Bei den Sätzen gilt: nach jedem Gerätewechsel neu nullstellen.
- Messkopf zurückdrehen So weit, dass der Kopf spielend in den Einstellring passt.
- In den Ring einführen Kopf vollständig in die Ringbohrung schieben, Achse parallel zur Ringachse. Ring auf sauberer, ebener Unterlage abstützen.
-
Mit der Ratsche schließen
Zudrehen, bis die Ratsche drei Mal durchrutscht. Diese Zahl ab jetzt bei jeder Messung beibehalten.Zu wenig Kraft = zu kleiner Wert, zu viel Kraft = das Gerät federt auf. Die Ratsche macht beides reproduzierbar. - Ablesen Wert mit dem eingeprägten Nennmaß des Rings vergleichen — nicht mit der gerundeten Nenngröße.
- Justieren, wenn die Abweichung > 0,002 mm ist Klemmung lösen, Skalenhülse mit dem mitgelieferten Stiftschlüssel verdrehen, bis der Nullstrich der Trommel exakt auf dem Ringmaß steht. Wieder klemmen.
- Kontrolle: 3 Wiederholmessungen Kopf jedes Mal ganz herausnehmen und neu ansetzen. Streuung höchstens 0,005 mm. Sonst Ursache suchen — nicht weitermessen.
Zu Schichtbeginn · nach jedem Wechsel der Messschraube innerhalb eines Satzes · nach Aufstecken oder Abnehmen der Verlängerung · nach Sturz oder Stoß · bei Temperaturwechsel im Raum · vor jeder Abnahme, an der etwas hängt.
Beim Satz 20–50 mm teilen sich vier Messschrauben zwei Ringe. Der Ring liegt dann am oberen oder unteren Ende des Messbereichs — das ist zulässig, aber prüfen Sie zusätzlich mindestens einen zweiten Punkt im Bereich, wenn Sie nahe der Toleranzgrenze arbeiten.
6Teil B — Messen am Werkstück
Immer gleicher Ablauf — nur so sind die Werte untereinander vergleichbar.
- Bohrung vorbereiten Entgraten, ausblasen bzw. auswischen. Werkstück ausgespannt oder zumindest spannungsfrei.
Im Spannfutter gemessene Bohrungen sind verspannt — der Wert stimmt nach dem Lösen nicht mehr.
- Auf Untermaß stellen Messkopf etwas kleiner drehen als die erwartete Bohrung — er soll ohne Kraft hineingleiten.
- Einführen Kopf bis zur gewünschten Messtiefe schieben, Achse des Geräts parallel zur Bohrungsachse halten.
-
Mit der Ratsche aufweiten
Zudrehen bis 3 Klicks — dieselbe Anzahl wie beim Nullstellen. Beim Anziehen das Gerät leicht in der Bohrung wiegen, damit sich der Kopf rechtwinklig zur Achse ausrichtet.Ein Suchen des Umkehrpunkts wie beim Zweipunkt-Gerät entfällt: Die drei Backen zentrieren radial von selbst. Nur die rechtwinklige Lage zur Bohrungsachse müssen Sie sicherstellen. - Ablesen, ohne zu bewegen Senkrecht auf die Skala schauen (Parallaxe!). Wert sofort notieren.
- Mindestens an 3 Stellen messen Oben / Mitte / unten in der Bohrung — jeweils um ca. 60° verdreht. Damit erkennen Sie Konizität und Unrundheit.
- Zurückdrehen und herausnehmen Kopf entlasten, bevor Sie ihn herausziehen. Niemals unter Messkraft aus der Bohrung ziehen — das ruiniert die Hartmetallbacken.
Messstellen-Schema
7Teil B2 — Richtig ablesen
Grobwert von der Skalenhülse, Feinwert von der Trommel — addieren. Die Zahlen der Trommel sind Hundertstel (1 = 0,010 mm), zwischen zwei Zahlen liegt je ein Strich für 0,005 mm. 50 Striche sind eine ganze Umdrehung = 0,25 mm.
1. Schräg auf die Skala geschaut (Parallaxenfehler) — bis zu einem halben Teilstrich.
2. Einen Hülsenstrich übersehen, weil er halb von der Trommelkante verdeckt ist → Fehler von 0,25 mm.
3. Wert abgelesen, nachdem das Gerät schon aus der Bohrung genommen wurde.
8Besonderheiten der einzelnen Baugrößen
Der Ablauf ist überall gleich — diese Punkte unterscheiden sich trotzdem.
- Kurze Backen, kleiner Kopf: Verkanten wirkt sich hier am stärksten aus
- Geringe Messtiefe — tiefe Bohrungen nicht erreichbar
- Nur ein Ring (16 mm) für beide Geräte
- Kopf nie mit Gewalt in eine zu kleine Bohrung drücken
- Vier Geräte — vor jeder Serie das richtige wählen
- Nach jedem Gerätewechsel neu nullstellen
- Zwei Ringe für vier Geräte (25 / 40 mm)
- Geräte nach Gebrauch wieder auf den zugehörigen Platz im Etui
- Verlängerung möglich: 117 → 267 mm Messtiefe
- Nach dem Auf- oder Abstecken der Verlängerung neu nullstellen
- Mit Verlängerung wird das Gerät kopflastig — beim Ansetzen abstützen
- Größte Fehlergrenze der drei (0,007 mm)
9Richtig — Falsch
- Immer mit der Ratsche zustellen, immer gleich viele Klicks
- Gerät, Ring und Werkstück auf gleicher Temperatur
- Vor jeder Serie und nach jedem Gerätewechsel nullen
- Kopf rechtwinklig zur Bohrungsachse, leicht wiegen
- In 3 Ebenen und mehreren Winkeln messen
- Vor dem Herausziehen entlasten
- Nach Gebrauch reinigen, leicht ölen, ins Etui
- An der Trommel „festziehen“ statt Ratsche benutzen
- Frisch bearbeitetes, warmes Werkstück messen
- Gerät aus dem Satz wechseln, ohne neu zu nullen
- Verkantet ansetzen → Wert fällt zu klein aus
- Nur ein einziger Messwert als Ergebnis
- Unter Messkraft aus der Bohrung reißen
- Gerät lose in der Schublade zwischen Werkzeug
Fehlerbild → Ursache → Abhilfe
| Beobachtung | Wahrscheinliche Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Werte streuen um mehr als 0,005 mm | Messkraft ungleich; Backen verschmutzt; verkantet angesetzt | Ratsche konsequent, reinigen, Ansatz üben |
| Wert systematisch zu klein | Verkantet gemessen; Nullpunkt verstellt | Neu nullstellen, rechtwinklig ansetzen |
| Wert driftet während der Messung | Wärme aus der Hand ins Gerät | Am Schaftende halten, Messzeit kurz |
| Im Einstellring stimmt es, in der Bohrung nicht | Bohrung unrund/konisch oder verspannt | Mehrere Ebenen messen, Werkstück ausspannen |
| Nach Gerätewechsel plötzlich Ausschuss | Neues Gerät nicht neu genullt | Nullstellen ist Teil des Gerätewechsels |
| Trommel läuft schwer oder ruckelt | Späne/Kühlmittel im Gewinde, Korrosion | Gerät sperren, prüfen lassen |
| Nullpunkt lässt sich nicht mehr einstellen | Backen oder Konus verschlissen | Gerät aussondern / instand setzen lassen |
10Teil C — Prüfen & Prüfmittelüberwachung
Ein Messgerät ohne nachweisbaren Zustand liefert keine belastbaren Werte. Diese Prüfungen gehören dokumentiert.
Tägliche Kurzprüfung (Bediener)
- Sichtprüfung Messbacken, Konus, Einstellring — keine Schlagstellen, kein Rost
- Spindel über den ganzen Bereich leichtgängig, Ratsche klickt sauber
- Nullstellung im Einstellring geprüft, Abweichung ≤ 0,002 mm
- 3 Wiederholmessungen im Einstellring, Streuung ≤ 0,005 mm
- Ergebnis im Prüfmittelnachweis eingetragen (Datum, Kürzel, Abweichung)
Periodische Prüfung (Prüfmittelüberwachung)
| Prüfung | Kriterium | Intervall |
|---|---|---|
| Anzeigeabweichung über den Messbereich | innerhalb der Fehlergrenze des Geräts (0,005 – 0,007 mm), geprüft an mehreren Stützstellen | jährlich |
| Wiederholpräzision | Streuung von 10 Messungen ≤ 0,005 mm | jährlich |
| Zustand der Hartmetall-Messflächen | frei von Riefen, Ausbrüchen, Verschleißkanten | jährlich |
| Einstellringe (Normale) | eigener Kalibrierschein, rückführbar auf nationales Normal | nach Vorgabe QS |
| Nach Sturz / Stoß | vollständige Prüfung wie oben, Gerät vorher sperren | ereignisbezogen |
Faustregel: Die Messunsicherheit soll höchstens 10 % der Werkstücktoleranz betragen (goldene Regel der Messtechnik, teils bis 20 % akzeptiert). Bei einer Toleranz von 0,05 mm sind diese Geräte mit 5–7 µm gut geeignet; bei 0,02 mm wird es eng — dann Feinzeiger mit Einstellring einsetzen.
Prüfnachweis — Vordruck zum Ausfüllen
| Datum | Gerät (Messbereich) | Einstellring | Abweichung | Streuung 3× | Kürzel |
|---|---|---|---|---|---|
Pflege und Lagerung
- Nach jedem Einsatz Messbacken trocken abwischen
- Dünn ölen bzw. Korrosionsschutz auftragen (Fingerschweiß greift die Flächen an)
- Messkopf leicht geöffnet lagern — nicht unter Spannung
- Immer im Etui, jedes Gerät auf seinem Platz, nie lose zwischen Werkzeug
- Einstellringe separat und stoßgeschützt lagern
- Kennzeichnung / Prüfplakette lesbar halten
11Kurzanleitung für die Maschine zum Aushängen
| Schritt | Handgriff |
|---|---|
| 1 | Passendes Gerät nach Messbereich wählen |
| 2 | Gerät, Ring und Werkstück temperieren (20 min) |
| 3 | Messbacken und Bohrung reinigen, entgraten |
| 4 | Im Einstellring nullen — 3 Klicks Ratsche |
| 5 | Kopf auf Untermaß stellen, in die Bohrung einführen |
| 6 | Mit Ratsche 3 Klicks zustellen, dabei leicht wiegen |
| 7 | Senkrecht ablesen: Hülse (mm) + Trommel (1/100, Zwischenstrich = 0,005) |
| 8 | 3 Ebenen × mehrere Winkel messen |
| 9 | Entlasten, herausnehmen, reinigen, ins Etui |
Streuen die Werte oder lässt sich der Nullpunkt nicht halten: Messung abbrechen, Gerät kennzeichnen und der Prüfmittelüberwachung melden. Nicht „irgendwie“ weitermessen.
Stand 01.09.2026 · Verbindlich sind Herstellerangaben und die betrieblichen QS-Vorgaben




